Entweihte Kirchen
Beispiel:
Domkirche St. Eberhard, Stuttgart

Okkulte Schatten in heiligen Hallen

Wie moderne Details die göttliche Ausstrahlung blockieren

Viele Kirchenräume haben in den letzten Jahrzehnten etwas von ihrer ursprünglichen geistigen Klarheit verloren. Was einst als Ort der Sammlung, des Trostes und einer unmittelbaren Gottesnähe erfahrbar war, wirkt heute oft gebrochen, diffus oder innerlich leer.

Die Ursachen dafür sind selten spektakulär. Es sind vielmehr scheinbar kleine Veränderungen, die eine große Wirkung entfalten: neue Kunstwerke, veränderte Altäre, moderne Glasfenster oder zusätzliche Einbauten. Für sich genommen mögen diese Eingriffe harmlos erscheinen – doch sie verändern die innere Ordnung des Raumes. Oft unbemerkt, aber spürbar.

Ein besonders prägnantes Beispiel findet sich in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart. Im Altarraum begegnen sich zwei sehr unterschiedliche Ausdrucksformen: Auf der einen Seite eine klassische Marienfigur – ruhig, klar, in sich gesammelt. Auf der anderen ein expressiv überarbeitetes Kreuzbild von Arnulf Rainer, geprägt von dunklen, herabfließenden Farbmassen. Zwei geistige Sprachen stehen sich hier unmittelbar gegenüber.

Diese Gegenüberstellung wirkt weniger wie eine Ergänzung als wie ein Bruch. Während die traditionelle Darstellung auf Sammlung und Transzendenz verweist, erzeugt das moderne Werk eine schwere, nach unten gerichtete Dynamik. Der Raum verliert dadurch seine innere Einheit.

Solche Spannungen sind kein Einzelfall. Sie weisen auf einen grundlegenden Wandel hin: Das Wissen um die geistige Funktion sakraler Räume ist weitgehend verloren gegangen. Kirchen wurden einst bewusst gestaltet – in ihrer Ausrichtung, ihren Proportionen und ihrer Symbolik. Sie dienten als Resonanzräume für das Göttliche.

Heute treten andere Maßstäbe in den Vordergrund: künstlerische Individualität, zeitgemäße Ausdrucksformen oder funktionale Überlegungen. Die feine Abstimmung auf eine unsichtbare, aber erfahrbare Dimension bleibt dabei oft unberücksichtigt.

Ein weiteres Beispiel lässt sich im Ulmer Münster beobachten. Neue Glasfenster, geschaffen von Thomas Kuzio, bringen intensive Farben und moderne Bildsprache in den Raum. Sie werden als Bereicherung verstanden, als Ausdruck von Lebendigkeit und spiritueller Aktualität. Gleichzeitig verändert sich jedoch die Lichtwirkung: Statt einer ruhigen, durchlässigen Atmosphäre entsteht eine stärkere visuelle Präsenz, die das bisherige Gleichgewicht des Raumes spürbar verschiebt.

Dabei zeigt sich: Es sind oft kleine Eingriffe, die große Auswirkungen haben. Das Versetzen eines Altars, die Veränderung von Lichtverhältnissen oder neue liturgische Elemente können die ursprüngliche Ausrichtung eines Raumes verändern. Was früher auf Sammlung und Vertikalität hin angelegt war, wirkt plötzlich weniger klar und weniger tragfähig.

Diese Entwicklung ist dabei nicht das Ergebnis gezielter Zerstörung. Sie entsteht vielmehr durch Entscheidungen vor Ort – durch Verantwortliche, die im besten Sinne handeln, deren Blick jedoch nicht mehr auf die geistige Wirkungsebene gerichtet ist.

Die Veränderung geschieht leise.

Und doch wird sie von vielen Menschen wahrgenommen. Oft zunächst als ein schwer zu benennendes Gefühl: Unruhe, Dichte oder eine gewisse Distanz zum Raum. Etwas scheint nicht mehr ganz zu stimmen.

Dieser Artikel versteht sich daher nicht als pauschale Kritik, sondern als Einladung: wieder genauer hinzusehen. Kirchenräume nicht nur architektonisch oder kunsthistorisch zu betrachten, sondern auch in ihrer Wirkung zu erfahren.

Wo entsteht Klarheit?
Wo entsteht Unruhe?
Was trägt – und was stört?

Heilige Orte besitzen eine Qualität, die sich nicht vollständig erklären lässt, aber erfahrbar ist. Wenn diese Wahrnehmung wieder ernst genommen wird, kann auch ihre ursprüngliche Kraft neu entdeckt werden.

Das Wissen der mittelalterlichen Dombauhütten

Die Kirche als "Instrument" zur Gotteserfahrung

Stellen Sie sich vor, jemand verschiebt in der Violine eines Orchestermusikers den Stimmstock nur um ein kleines Stück. Die Folge: Der Ton ist „tot“ oder kraftlos, die Geige klingt unausgeglichen, ist schwer zu spielen, hat plötzlich einen schlechten Klang, es entstehen Wolfstöne, der Ton „kippt“, flattert und „heult“.

Nun wird in einer Kirche der Altar versetzt, weil es gerade besser ins Konzept passt ...
 
Eine Kirche sollte eine Funktion erfüllen, die weit über einen gewöhnlichen Versammlungsraum hinausgeht. Die Meister der alten Dombauhütten wussten darum und verstanden es mit vielerlei Mitteln die Kirche zu einem Instrument zu gestalten, das in der Lage war das Gemüt der Gläubigen derart zu „stimmen“, dass sie sich dem Göttlichen näher fühlten.

In seltenen Fällen kann man das auch heute noch erleben, wie zum Beispiel in der Seitenkapelle der „Église  Notre Dame de Dole“ in Frankreich. Beim Betreten des Raumes spürt man eine fast mit den Händen greifbare Veränderung. Eine große Ruhe durchströmt den Körper, der Wille zur Andacht bemächtigt sich der Gedanken, man ahnt die Nähe Gottes ...

Leider sind solche Kirchenräume heutzutage selten geworden, es werden an allen Ecken und Enden Veränderungen vorgenommen, ohne das Wissen, das nötig wäre, damit diese Änderungen den Status quo nicht verschlechtern, sondern im besten Falle sogar verbessern könnten.

In fast jeder größeren Kirche Deutschlands gibt es heute mindestens ein Detail, das die ursprüngliche, reine spirituelle Präsenz spürbar stört. Manche Besucher empfinden es sofort: Ein unangenehmes Gefühl, eine Blockade, als würde das göttliche Licht nicht mehr frei fließen. Stattdessen scheint etwas Dunkles, Erdhaftes oder Okkultes in den Raum zu dringen. Dies ist keine bloße subjektive Empfindung, sondern ein wiederkehrendes Muster, das sich in konkreten Veränderungen zeigt – von neuen Fenstern über umgestaltete Altäre bis hin zu modernen Kunstwerken.

Münster Unserer Lieben Frau zu Ulm

Ulmer Münster

Das Ulmer Münster ist die größte evangelische Kirche Deutschlands und prägt seit Jahrhunderten das Stadtbild von Ulm. Mit seinem über 160 Meter hohen Turm besitzt es den höchsten Kirchturm der Welt und ist weithin sichtbar.

Der Bau begann im Jahr 1377 und zog sich über mehrere Jahrhunderte hin. Trotz dieser langen Entstehungszeit wirkt das Münster in seiner gotischen Architektur bemerkenswert geschlossen: hohe Gewölbe, klare Linien und das aufstrebende Raumgefühl lenken den Blick nach oben und verleihen dem Innenraum eine besondere Weite und Ruhe.

Das Münster war von Anfang an eine Bürgerkirche – von den Menschen der Stadt finanziert und getragen. Bis heute ist es ein Ort des Gottesdienstes, der Stille und der persönlichen Einkehr. Seine schlichte, lichtdurchflutete Gestaltung hat über Generationen hinweg eine Atmosphäre geschaffen, die viele Besucher als klar, würdevoll und geistlich ausgerichtet erleben.

Ulmer Münster

Glasfenster vom Thomas Kuzio

Die neuen Glasfenster im Ulmer Münster, gestaltet von Thomas Kuzio, sind das Ergebnis eines bewusst modernen künstlerischen Ansatzes. Kuzio betont selbst, dass er keine mittelalterlichen oder traditionellen Kirchenfenster nachbilden will, sondern eigene, zeitgenössische Ausdrucksformen entwickelt. Seine Arbeit versteht sich ausdrücklich als Beitrag des 21. Jahrhunderts – als Kunst, die nicht überlieferte religiöse Bildwelten wiederholt, sondern neue, offene Deutungsräume schafft.

Dabei steht für ihn weniger eine konkrete religiöse Aussage im Vordergrund als vielmehr die Wirkung von Licht, Farbe und Atmosphäre im Raum. Die Fenster tragen Titel wie „Weltbetrachtung“ und „Lichtwertung“ – Begriffe, die eher philosophisch als christlich geprägt sind. Ziel ist es nach seinen eigenen Aussagen, den Raum zu „harmonisieren“ und ihn ästhetisch neu zu gestalten, nicht jedoch, ihn durch klare religiöse Symbolik zu prägen.

Neugestaltung mehrerer Fenster, um die "offenen Wunden" der im Krieg zerstörten Fenster zu heilen.

???

Genau hier liegt für mich der zentrale Konflikt.

Eine Kirche ist kein neutraler Raum, der beliebig künstlerisch interpretiert werden kann. Sie ist ein geweihter Ort, dessen Ausrichtung auf Gott hin wesentlich ist. Kunst in einem solchen Raum sollte sich diesem Zweck unterordnen oder ihn zumindest tragen. Wenn jedoch – wie im Fall dieser Fenster – bewusst auf traditionelle religiöse Bildsprache verzichtet wird und stattdessen eine offene, subjektive und stark abstrakte Formensprache tritt, entsteht ein Bruch zwischen Raum und Gestaltung.

Ich erlebe die Wirkung dieser Fenster nicht nur als ungewohnt oder schwierig, sondern als tiefgreifend störend. Die Bildsprache erscheint mir dunkel, schwer zugänglich und in ihrer Ausstrahlung von einer Qualität geprägt, die ich persönlich als okkult empfinde. Damit ist keine Absicht unterstellt – doch die Wirkung auf den Betrachter ist entscheidend. Statt den Raum zu öffnen und auf Gott hin auszurichten, entsteht für mich eine Atmosphäre, die eher verschließt, belastet und innerlich auf Distanz führt.

Galerie

Glasfenster von Thomas Kuzio auf der Nordseite des Ulmer Münsters

Öffentliche Wahrnehmung und mediale Darstellung

Aber was denkt die Mehrheit?

Auffällig ist, dass die Glasfenster im Ulmer Münster in der Berichterstattung nahezu durchweg positiv dargestellt werden. In Zeitungsartikeln und offiziellen Veröffentlichungen ist von „Bereicherung“, „zeitgenössischer Interpretation“ oder „beeindruckender Lichtwirkung“ die Rede. Die Perspektive des Künstlers Thomas Kuzio sowie die Sichtweise kirchlicher Vertreter dominieren dabei klar das Bild.

Diese Form der Darstellung wirft Fragen auf.

Denn sie steht in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu meiner eigenen Wahrnehmung – und zu dem Eindruck, dass viele Besucher durchaus irritiert oder befremdet auf die neuen Fenster reagieren. Solche Stimmen finden jedoch in der öffentlichen Darstellung kaum Raum. Stattdessen entsteht der Eindruck einer breiten Zustimmung, die so möglicherweise gar nicht existiert.

Es ist zu bedenken, dass Entscheidungen über solche Projekte in der Regel von einem vergleichsweise kleinen Kreis getroffen werden: kirchliche Gremien, Kunstsachverständige und Förderer. Diese Gruppen prägen nicht nur die Auswahl, sondern häufig auch die anschließende Deutung der Werke. Die öffentliche Diskussion bleibt dabei oft begrenzt.

Zugleich folgt der Kulturjournalismus eigenen Regeln. Zeitgenössische Kunst wird in vielen Fällen grundsätzlich wohlwollend begleitet, während kritische oder ablehnende Perspektiven seltener aufgegriffen werden – insbesondere dann, wenn sie sich nicht in den etablierten kunsttheoretischen Rahmen einfügen.

So entsteht leicht eine Diskrepanz zwischen veröffentlichter Meinung und tatsächlicher Wahrnehmung.

Ich halte es daher für wichtig, diese Differenz sichtbar zu machen. Die Frage, wie Kunst in einem sakralen Raum wirken darf und soll, betrifft nicht nur Experten oder Entscheidungsträger, sondern alle, die diesen Raum aufsuchen – als Gläubige, als Suchende oder als Besucher. Ihre Wahrnehmung verdient ebenso Gehör.

 

Herstellung des "Friedensfensters" auf Youtube

Neue Fenster für das Ulmer Münster auf Youtube

 

Empfohlene Bücher

Jörg Purner

Radiästhesie - Ein Weg zum Licht? 
Mit der Wünschelrute auf der Suche nach dem Geheimnis der Kultstätten

Das Buch beschreibt die Suche nach den verborgenen Kräften historischer Kultstätten mithilfe der Wünschelrute (Radiästhesie).

Inhalt in Kürze:

  • Einführung in die Praxis des Rutengehens und dessen Anwendung zur Wahrnehmung feiner Energien
  • Untersuchung von alten Kultplätzen, Kirchen und Heiligtümern
  • These, dass viele dieser Orte gezielt auf Energielinien, Wasseradern oder Kraftpunkten errichtet wurden
  • Beschreibung von Messmethoden und persönlichen Erfahrungen bei der Ortserkundung
  • Verbindung von Radiästhesie mit Geomantie und spiritueller Ortsdeutung

 

Radiästhesie - Ein Weg zum Licht? 
 

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Manfred Dimde

Die Heilkraft der Kirchen -
Die geheimnisvollen Kräfte sakraler Stätten

Das Buch beschreibt Kirchen als Orte mit besonderer energetischer und heilender Wirkung, die bewusst nach geomantischen Prinzipien errichtet wurden.

Inhalt in Kürze:

  • These, dass viele Kirchen auf alten Kultplätzen und Kraftorten gebaut sind
  • Beschreibung von Energielinien, Erdstrahlen und Kraftfeldern, die sich an diesen Orten bündeln
  • Analyse von Kirchenarchitektur (Ausrichtung, Proportionen, Grundriss) als Verstärker dieser Energien
  • Darstellung, wie Besucher diese Kräfte körperlich und seelisch wahrnehmen können
  • Verbindung von christlicher Spiritualität mit älteren naturbezogenen Traditionen

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Wolfgang Stark

Kloster Loccum, Zisterzienser - Templer - Mysterien

Wolfgang Stark hat das Kloster Loccum jahrelang akribisch erforscht, und mithilfe der Radiästhesie entdeckte er verborgene Kraftlinien, die sich in der Klosterkirche kreuzen. Anhand der Bibelstelle Gen 28.17 "Wie schrecklich ist diese Stätte..." beschreibt der Autor warum dieser energetische Kreuzungspunkt von den Zisterziensermönchen und den Tempelrittern als geistiges Portal genutzt werden konnte. Neben derlei mystischen Aspekten, geht Wolfgang Stark auch auf die, von der heutigen Kirche geleugnete, Verbindung der Anlage zu den Templern näher ein. War das Kloster ein getarnter Militärstützpunkt für Templerheere während der Wendenkreuzzüge? Warum hat der Abt des Klosters die Veröffentlichung des Buches jahrelang verhindert?

Vorstellung auf Youtube

 

 

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