Zeitlose Schönheit
Rebellion gegen optische Umweltverschmutzung
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Schönheit etwas Objektives ist, unabhängig von Zeitepoche oder Kultur. Wie es die Gaußsche Normalverteilung zeigt, gibt es immer Abweichungen im Empfinden, die viele Ursachen haben können und von der Goldenen zeitlosen Mitte abweichen. Grundlagen schöner Proportionen sind also nicht an einen bestimmten Baustil gebunden, nicht an altes Bauen oder an Modernes. Proportionen werden empfunden, genauso wie Musik. Würde im Rundfunk eine Musik gespielt, die nach Belieben die Töne nicht trifft, gäbe es einen öffentlichen Aufschrei! Diesen vermisse ich in der neuzeitlichen Architektur und Stadtverunplanung. Es grenzt an Folter, durch eine moderne Stadt zu gehen, so zerpflückt und unästhetisch ist alles gestaltet. Ich habe dafür den Begriff "optische Umweltverschmutzung" geprägt.
Es passierte so um 1970 und hängt eventuell mit einem Bewusstseinswandel der 1968er Bewegung hin zur Empfindungslosigkeit zusammen. Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit wurde so hässlich und kalt gebaut. Dies zeigt sich natürlich nicht nur in der Baukunst, sondern auch in anderen Bereichen, wo Design eine Rolle spielt, zum Beispiel beim Automobil.
Mir geht es nun darum, die Prinzipien herauszuarbeiten, die der zeitlosen und fast aller alten Architektur zu Grunde liegen, um sie wie ein Regelwerk auch auf modernes Bauen zu übertragen. Mein besonderes Interesse richtet sich auf Kirchen, die systematisch durch Umbauten, wie zum Beispiel grauenvolle neue Fenster in blasphemischer Weise verunstaltet werden (Ulmer Münster, um nur ein Beispiel zu nennen). Manch ein alter Dombaumeister würde sich im Grabe herumdrehen ...